Mosaico decorativo

1. Weh mir! Es geht mir wie nach der Obsternte, / wie bei der Nachlese im Weinberg: Keine Traube ist mehr da zum Essen, / keine von den Frühfeigen, die mein Herz begehrt.

1. væ mihi quia factus sum sicut qui colligit in autumno racemos vindemiæ non est botrus ad comedendum præcoquas ficus desideravit anima mea

2. Verschwunden sind die Treuen im Land, / kein Redlicher ist mehr unter den Menschen. Alle lauern auf Blut, / einer macht Jagd auf den andern.

2. periit sanctus de terra et rectus in hominibus non est omnes in sanguine insidiantur vir fratrem suum venatur ad mortem

3. Sie trachten nach bösem Gewinn / und lassen sich's gut gehen: Die hohen Beamten fordern Geschenke, / die Richter sind für Geld zu haben und die Großen entscheiden nach ihrer Habgier - / so verdrehen sie das Recht.

3. malum manuum suarum dicunt bonum princeps postulat et judex in reddendo est et magnus locutus est desiderium animæ suæ et conturbaverunt eam

4. Noch der Beste unter ihnen ist wie eine Distel, / der Redlichste ist schlimmer als Dornengestrüpp. Doch der Tag deiner Bestrafung kommt; / dann werden alle bestürzt sein.

4. qui optimus in eis est quasi paliurus et qui rectus quasi spina de sepe dies speculationis tuæ visitatio tua venit nunc erit vastitas eorum

5. Traut eurem Nachbarn nicht, / verlasst euch nicht auf den Freund! / Hüte deinen Mund vor der Frau in deinen Armen!

5. nolite credere amico et nolite confidere in duce ab ea quæ dormit in sinu tuo custodi claustra oris tui

6. Denn der Sohn verachtet den Vater, / die Tochter stellt sich gegen die Mutter, die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter; / jeder hat die eigenen Hausgenossen zum Feind.

6. quia filius contumeliam facit patri filia consurgit adversus matrem suam nurus contra socrum suam inimici hominis domestici ejus

7. Ich aber schaue aus nach dem Herrn, / ich warte voll Vertrauen auf Gott, meinen Retter. / Mein Gott wird mich erhören.

7. ego autem ad Dominum aspiciam expectabo Deum salvatorem meum audiet me Deus meus

8. Freu dich nicht über mich, meine Feindin! / Zwar liege ich am Boden, / doch ich stehe wieder auf. Zwar sitze ich in der Finsternis, / aber der Herr ist mein Licht.

8. ne læteris inimica mea super me quia cecidi consurgam cum sedero in tenebris Dominus lux mea est

9. Ich habe mich gegen den Herrn versündigt; / deshalb muss ich seinen Zorn ertragen, bis er meine Sache vertritt / und mir Recht verschafft. Er wird mich hinausführen ins Licht, / ich werde seine Heilstat erleben.

9. iram Domini portabo quoniam peccavi ei donec judicet causam meam et faciat judicium meum educet me in lucem videbo in justitiam ejus

10. Meine Feindin wird es sehen / und vor Scham vergehen; denn sie sagte zu mir: Wo ist Jahwe, dein Gott? / Und meine Augen werden sich an ihr weiden. / Dann wird sie zertreten wie Gassenkot.

10. et aspiciet inimica mea et operietur confusione quæ dicit ad me ubi est Dominus Deus tuus oculi mei videbunt in eam nunc erit in conculcationem ut lutum platearum

11. Es kommt der Tag, / an dem man deine Mauern wieder aufbaut, / der Tag, an dem deine Grenzen sich weiten.

11. dies ut ædificentur maceriæ tuæ in die illa longe fiet lex

12. An jenem Tag kommen alle zu dir, / von Assur bis Ägypten / und von Ägypten bis zum Eufrat, von einem Meer zum andern / und von einem Gebirge zum andern.

12. in die illa et usque ad te veniet Assur et usque ad civitates munitas et a civitatibus munitis usque ad flumen et ad mare de mari et ad montem de monte

13. Die Erde aber wird zur Wüste / wegen (der Sünden) ihrer Bewohner; / so ernten sie die Frucht ihrer Taten.

13. et erit terra in desolationem propter habitatores suos et propter fructum cogitationum eorum

14. Führe mit deinem Stab dein Volk auf die Weide, / die Schafe, die dein Erbbesitz sind, die einsam lagern in einer Wildnis / mitten im fruchtbaren Land. Sie sollen wieder im Baschan und in Gilead weiden / wie in den Tagen der Vorzeit.

14. pasce populum tuum in virga tua gregem hereditatis tuæ habitantes solos in saltu in medio Carmeli pascentur Basan et Galaad juxta dies antiquos

15. Wie in den Tagen, als du aus Ägypten auszogst, / lass uns deine Wunder schauen!

15. secundum dies egressionis tuæ de terra Ægypti ostendam ei mirabilia

16. Die Völker mit all ihrer Macht / sollen sich schämen, wenn sie es sehen. Sie sollen die Hand auf den Mund legen, / ihre Ohren sollen taub werden.

16. videbunt gentes et confundentur super omni fortitudine sua ponent manus super os aures eorum surdæ erunt

17. Staub sollen sie fressen wie die Schlange, / wie das Gewürm am Boden. Zitternd sollen sie herauskommen aus ihren Burgen, / vor den Herrn treten, unseren Gott, / voll Schrecken und Furcht vor dir.

17. lingent pulverem sicut serpens velut reptilia terræ proturbabuntur de ædibus suis Dominum Deum nostrum desiderabunt et timebunt te

18. Wer ist ein Gott wie du, / der du Schuld verzeihst und dem Rest deines Erbvolkes / das Unrecht vergibst? Gott hält nicht für immer fest an seinem Zorn; / denn er liebt es, gnädig zu sein.

18. quis Deus similis tui qui aufers iniquitatem et transis peccatum reliquiarum hereditatis tuæ non inmittet ultra furorem suum quoniam volens misericordiam est

19. Er wird wieder Erbarmen haben mit uns / und unsere Schuld zertreten. Ja, du wirfst all unsere Sünden / in die Tiefe des Meeres hinab.

19. revertetur et miserebitur nostri deponet iniquitates nostras et proiciet in profundum maris omnia peccata nostra

20. Du wirst Jakob deine Treue beweisen / und Abraham deine Huld, wie du unseren Vätern geschworen hast / in den Tagen der Vorzeit.

20. dabis veritatem Jacob misericordiam Abraham quæ jurasti patribus nostris a diebus antiquis



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